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Kategorie | Matthias Schultze

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Der seltsame Grabstein

des Salzwedeler Postmeisters Matthias Schultze

von Horst Hunger

Im früheren Reichspostmuseum, das auf eine von dem Generalpostmeister Stephan Anfang der 1870er Jahre in Berlin aufgestellt Sammlung von Lehrmitteln für Verkehrsbeamte sowie für Studienzwecke zurückgeht, befanden sich ein Lichtbild und eine Abschrift der eigenartigen Inschrift, die sich etwas verstümmelt auf dem Grabstein des ersten Salzwedeler Postmeisters befindet.

Im Herbst 1950 wurde der bis dahin kaum beachtete Grabstein im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft Philatelie restauriert, wobei auch der vollständige Text wieder hergestellt werden konnte.

Der Grabstein ist an der Südwand der St. Katharinenkirche aufgestellt und verankert worden und heute an gleicher Stelle noch zu finden.

Der Text ist vollständig und im Original von H.Hunger aufgeschrieben worden, ggf. aber etwas schwer zu lesen:

Eile nicht wandersmanalsauffder Post.
Auch die geschwindeste Post erfordert
einigen Verzug im Post:Hause.

Hier ruhen die Gebeine
TiT. Herrn MATTHIAS SCHULTZEN
Königl.Preuß.: 25jährig unterthänigsttreugewe:
senen Post:Meisters und Saltz:FACTORS
auch wohl verdienten Raths:CÄMER.
zu Saltzwedel.
ERkam allhier AO : 1655,D.4.NOVEMBER:
als ein Frömbdling.
Durch die HeiligeTauffe wardERindie Post
CHARTE zum Him.CANAAN eingeschrieben,
dauff reisete ER inder Lebens<.wallfahrt
durch Schulenu.AcedeMIEN mit löblichenverzug.
Hernach bey anvertrauetem Post ambt
und anderenBeruffs:Sorgen
bewiese Er sorgfältigst sein Christenambt.
Bey vorkomenden Unglücks:Posten
richtete ER sichnachdem gott:TrostBrieffe,
seinem Leichem Texte 1.Cor:X.V.13.
Endlich bey seiner Leibes:Schwachheit,
Demgegebenen Zeichender ankomendenTodesPost,
machte Er sich fertig.
Die Seele reisete den 12.JUNiJ.1711.hinauff
ins Paradieß,
der Leib hernachmals indißGrab.
Gedenke, Leser,beydeiner Wallfahrt beständig
an die Prophetische TodesPost Esa.38X/1.
undeiledemSeeligen nachinsrechte Vaterland.
Dasehnen sichden IHN wieder Zusehen
die nachgelassene Wittwe, 2 Söhne
und 2 Töchter.

Unter dieser Inschrift befindet sich ein Familienwappen, das als Helmkleinod ein auf einem Spangenhelm sitzenden Eichhörnchen zeigt, das einen Pfeil in den Vorderpfoten hält. Im Wappenschild findet sich das Eichhörnchen ebenfalls. M. E. könnte man dieses Wappen folgendermaßen deuten: Das Eichhörnchen bringt Glück, denn es war dem germanischen Gott Thor oder Donar geweiht, der die Mächte der Finsternis bekämpfte und der Wahrheit zum Siege verhalt. Der Pfeil könnte Bezug nehmen auf die „pfeilschnelle“ Post.

Aus dem Leben des Matthias Schultze ist sonst leider nichts weiter bekannt als dieser kurze Satz: „Im Jahre 1700 kam eine weitere (Post) Verbindung hinzu, und zwar von Halberstadt über Neuhaldensleben, Gardelegen, Salzwedel, Lübbow nach Lenzen. Die Beförderung dieser Post übernahm auf der 5 Meilen langen Strecke zwischen Salzwedel und Lenzen der damalige Postmeister Schultze in Salzwedel für 260 Taler jährlich.“

Der Grabstein ist in doppelter Hinsicht barock. Einmal wird in seltsamer und humorvoller Weise der Lebensweg des Verstorbenen in Anspielung auf seinen Beruf mit einer Postreise verglichen. Zum anderen gehören Sprache, Schrift sowie Schreibweise stilistisch dem Barock an. Das zeigt sich u.a. besonders deutlich in der eingangs herausgestellten Antithese:

Eile nicht wandersmann als auff der Post
auch die geschwindeste Post erfordert
einigen Verzug im Post:Hause.

Leider ist der Stein und die Inschrift nach 60 Jahren sehr verwittert und kaum mehr lesbar.
Der Wunsch von Herrn und Frau Hunger war es, auf den Stein und seine besondere Geschichte aufmerksam zu machen, um so hoffentlich einem endgültigen Verfall entgegen wirken zu können – der Stein ist es allemal wert und ein unwiederbringlich geschichtlich einzigartiger Zeitzeuge in und für Salzwedel.

PS: Ich danke der Familie Hunger aus Hamburg für die mir überlassenen Unterlagen.

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