Kategorie | Geschichte Pärnus
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Geschichte der Hansestadt Pärnu
0 Kommentare | Veröffentlicht von Jutta Jaeger in Geschichte, Geschichte Pärnus

Die Geschichte der Hansestadt Pärnu beginnt an der Mündung des Flusses gleichen Namens und der ebenso genannten Bucht. Der Pärnu ist einer der längsten Flüsse Estlands und auch die Bucht im Rigaer Meerbusen wurde mit dieser strategisch günstigen Lage für Handel und Wandel interessant. Im Jahre 1241 wurde der Pärnuer Hafen erstmals erwähnt. Bereits zehn Jahre später weihte Bischof Heinrich den Dom des Bistums Ösel-Wiek ein und gründete die Domschule. 1251 gilt demnach als offizielles Gründungsjahr der heutigen Stadt.
Pärnu ist ähnlich, wie Salzwedel aus zwei Siedlungen entstanden. Die Bischöfe hatten zunächst ihren Sitz in Alt-Pernau, später entstand am anderen Ufer der Flussmündung die Siedlung Neu-Pernau. Hier hatte der Deutsche Orden eine Burg erbaut und einen Vorsteher dieses Ritterordens ins Amt gesetzt. Neu-Pernau erhielt im Jahre 1265 Stadtrechte.
Tallinn, Tartu, Narva, Viljandi und Neu-Pernau waren die fünf estnischen Städte, die von einer Rundmauer umgeben wurden. Man kann vermuten, dass die damalige Stadt eine der größten Städte Livlands war, es lebten etwa 1000 Einwohner in Neu-Pernau, Im Zentrum des Ortes gab es einen Marktplatz, das Rathaus, das Eichamt und die Nikolai-Kirche. Die Hauptstraße der Stadt endete am Rigaer Tor. Wer durch dieses Tor kam, hatte sich den Regeln, Pflichten und Freiheiten, die im Stadtrecht zusammengefügt waren, anzupassen.
Da die Stadt mehrmals vom Feuer verwüstet wurde, hatten die Bürger besonders auf die Feuersicherheit zu achten „ein Jeder muss auf sein Feuer aufpassen, bevor ein Unheil daraus entsteht“. Glücksspiele waren in der Stadt verboten; außerhalb der Stadtmauer wurde wesentlich mehr erlaubt, denn es steht geschrieben. - Recht ist: „Sollte jemand im Garten eines anderen Mannes erwischt werden, dann soll ihm egal was geschehen, es gibt kein Gericht darüber“.
Die Städte Alt-Pernau und Neu-Pernau waren beide Konkurrenten im Handelswesen. Besonders das kleine Alt-Pernau, das nicht zur Hanse gehörte, musste sich vor der neuen Stadt sichern. Den Bürgern der alten Stadt war es verboten, mit Bürgern Neu-Pernaus zu handeln oder Waren entgegenzunehmen. Die Verbindung zwischen den beiden Städten wurde durch einen Fährmann, der aufgrund eines Patents des Bischofs handelte, aufrecht erhalten. Im 14./15. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zur Hansestadt.
Auf diese glanzvolle Zeit folgten Kriege und Zerstörungen, wie das Niederbrennen Alt-Pernaus im 16. Jahrhundert und die Eroberung durch die Schweden im 17. Jahrhundert. Erneute Rückschläge dann im 18. Jahrhundert nach der Invasion durch russische Truppen. Es herrschte die Pest und riss fast die gesamte Bevölkerung in den Tod.
Die Geschichte als Kurstadt beginnt 1838 mit der Gründung der ersten Badeanstalt. Pärnu war anerkannter Kurort des Zarenreiches. Den Höhepunkt als Kurstadt erlebte der Ort durch die Bahnverbindung im frühen 20. Jahrhundert. Auch mit der Eröffnung der Schiffslinie über die Ostsee in den 1930er Jahren kamen immer mehr Kurgäste. Die Esten nennen die Stadt Pärnu stolz „Sommerhauptstadt des Landes“. 1918 wurde die erste estnische Unabhängigkeitserklärung proklamiert. Die beiden Stadtteile Alt- und Neu-Pärnu wurden endlich behördlich zusammengelegt.
Nach Erlangen der Unabhängigkeit 1991 erhielt Pärnu als erster Kurort in Osteuropa 1994 die Blaue Flagge, die als Symbol für hohe Umweltstandards gilt.
Von der UNESCO gewürdigt wurden die einzigartigen großen baltischen Sänger- und Tanzfeste und zum „WELTKULTURERBE“ erklärt.
Gemeinsam die Luft zum Schwingen bringen heißt es, wenn in jedem der drei baltischen Länder, Estland, Lettland und Litauen alle fünf Jahre die traditionellen Sänger-und Tanzfeste veranstaltet werden. Dann kann man die größten Chöre der Welt, die bis zu 20.000 Sänger auf der Freilichtbühne vereinen, erleben.
Quelle: Alexandra Frank: Estland. Reise Know-How Verlag, Bielefeld, 1.Auflage 2007
