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Okt/09

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Turmblasen in Salzwedel

24. Dezember 2010
18:00bis18:30

Das Turmblasen gehört für die Salzwedeler zum Heiligabend wie die Bescherung.

Seit vielen Jahren werden am Heiligabend 18 Uhr nach dem sechsten Glockenschlag vier Weihnachtslieder von 8 – 10 Musikern von der Galerie des Rathausturmes in 24 Metern Höhe geblasen.

„Das war schon immer so ……!.“ sagen die Einheimischen. Die Frage nach der Tradition des Turmblasens zur Weihnachtszeit beantwortet der Stadtarchivar Steffen Langusch so:

Das Turmblasen wurde bereits 1875 vom Ulanen-Regiment wieder belebt, nachdem die uralte Tradition jahrelang eingeschlafen war. Es ist also anzunehmen, dass Kunstpfeifer vor 1875 diese Tradition bereits gepflegt hatten. Die im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach erwähnten „Kunstpfeifer“, zu deren Obliegenheiten es gehörte, täglich von den Kirchtürmen zu blasen, sind vielleicht eigentlicher Ursprung des Turmblasen am Heiligabend.

Im Salzwedeler Wochenblatt von 1935 wird berichtet, dass am Vorabend des Weihnachtsfestes den Bewohnern ein lang entbehrter Genuss dadurch bereitet wurde, dass von der Galerie des Rathausturmes in wirklich erhebender Weise der schöne Choral: ´Lobt Gott, ihr Christen allzugleich´ ertönte; und „wer ein Salzwedeler Kind und wer sich auch später erst hier eingebürgert, der wird sich gewiss gern des Eindrucks erinnern, den die Einweihung des Weihnachtsfestes durch die Thurm-Musik am Heiligen Abend stets auf ihn gemacht“.

Letztmalig wurde 1919 durch das Trompeter-Corps der Ulanen das Weihnachtsblasen ausgeführt (das Regiment löste sich auf).

Die Tradition wird in den nachfolgenden Jahren durch Kapellen und Musikgruppen weiter geführt. In den 30iger Jahren wird von einem „Städtischen Orchester bzw. Salzwedeler Berufsorchester“ gesprochen. 1929 wurde durch den Magistrat erstmals um eine kleine Entschädigung der spielenden Musiker ersucht, – man bat um ein viertel Liter Bier pro Musiker und Auftritt zur Erfrischung. Der damalige Bürgermeister erwies sich als spendabel und schrieb auf den Antrag < 25 Liter Helles genehmigt >.

In den folgenden Jahren ging man dann doch zu einer finanziellen Entschädigung über (2 Mark pro Musiker), die in dieser Höhe bis 1946 galt.  Ab 1945 fand das Turmblasen wieder regelmäßig statt – bis 1948 noch mit zuvor eingeholter Genehmigung der sowjetischen Militärkommandantur.

Die Akte schließt mit einem Auftrag des damaligen Bürgermeisters Fritz Meier vom 19. November 1964: Am 24. Dezember sind durch acht Musiker in den vier Pflege- und Feierabendheimen der Stadt sowie um 18 Uhr auf dem Rathausturm die Lieder „O Tannenbaum, Leise rieselt der Schnee und Stille Nacht“ spielen zu lassen!

Auch in diesem Jahr wird es das Turmblasen auf dem Rathausturm geben. Die Reihenfolge wird dann sein wie immer: Oh, Tannenbaum, Süßer die Glocken nie klingen, Oh du Fröhliche und schließlich Stille Nacht, Heilige Nacht. Tausende Salzwedeler und ihre Gäste wünschen sich dann ringsrum „ein frohes und gesundes Weihnachtsfest“ und gehen zufrieden nach Haus.

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