Kategorie | Die Alte Münze
Die Alte Münze, an der einstigen Salzstraße gelegen, ist ein spätgotischer Backsteinbau.
Das Backsteingebäude wurde mehrfach um- und ausgebaut. Der ehemals reich verzierte Backsteingiebel musste aufgrund von Fundamentsenkungen im 16. Jahrhundert verändert werden. Der massive Treppengiebel wurde in einen Spitzgiebel mit Fachwerk umgestaltet. Im Inneren des Hauses entdecken wir noch schwere, verräucherte Eichenbalken, die die Decke stützten. An der mächtigen runden Esse in der großen Diele ist heute noch zu erkennen, dass hier etwas sehr Besonderes hergestellt wurde.Erste Münzprägungen gab es in Salzwedel im 12. Jahrhundert, etwa ab 1150 bis 1200 (1250). Es wurden großflächige, einseitige geprägte Hohlpfennige, später als Brakteaten bezeichnet, hergestellt. Um 1180/85 ist Salzwedel als Prägeort urkundlich belegt. Als Münzfuß wurde vorherrschend der lübische zum Prägen genutzt.
Das „Recht des ewigen Pfennigs“, also stadteigene Prägung, erkaufte sich Salzwedel im Jahre 1314 vom Markgrafen Johann V., woraus in der späteren Zeit nun der Gewinn der Stadt zugute kam. Die Stadt trat dem Markgrafen als Gegenleistung Zollrechte ab.
Es handelt sich in Salzwedel um eine der ältesten Münzprägestätten in Deutschland.
Die ältesten Salzwedeler Münzen waren aus dünnem Silberblech und wurden mit einem entsprechenden Stempel herausgestanzt und dann mit einer Blechschere beschnitten, sie wurden auch Okelpfennige genannt. Okel kommt aus dem Niedersächsischen und heißt Auge. Auf der Rückseite der Münzen waren Figuren eingedrückt. Neben Namen und Bauwerken tauchte auch das spätere Wappensymbol Salzwedels, der Stadtschlüssel, auf den Prägungen auf.
Die hier geprägten Münzen brachten der Stadtkasse beträchtlichen Gewinn durch den jährlichen Umtausch gegen Neue, denn von dem Wert der Münzen wurden 25 % einbehalten, die der Stadt zugute kamen.
Münzen aus Salzwedel waren auch Zahlungsmittel im gesamten Hansischen Raum – sie wurden zum Beispiel in skandinavischen Ländern gefunden – zu sehen sind sie im Museum in Visby. Später kamen Salzwedeler Münzen in Verruf, weil geldgierige Münzmeister den Edelmetallgehalt durch Kupferbeimengungen senkten und so den Münzwert herabsetzten. Im Bierkrieg im Jahre 1488 verlor die Stadt ihre Münzrechte.
Später, nach 1488, wurde den Städten Salzwedel und Stendal wieder die Erlaubnis erteilt, Pfennige „ für die armen Leute“ zu prägen, denn dem Landesherrn waren die Prägegebühren für die kleinen Münzen zu teuer. Diese Pfennige kamen noch bis 1660 vor.
Im Jahre 1992 eröffnete nach umfangreichen Rekonstruktions- und Umbaumaßnahmen die Industrie-und Handelskammer hier ihre Geschäftsstelle.
