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Die Post in Salzwedel
0 Kommentare | Veröffentlicht von Jutta Jaeger in Die Post in Salzwedel
Die Post in Salzwedel von 1655 bis zum „literarischen Beitrag zur Siebenhundertjahrfeier Salzwedels“ von Professor Friedrich Meinecke für seine Vaterstadt
Die Post ist eine jahrhundertealte Einrichtung.
Der erste Postmeister war vermutlich der seit 1655 in Salzwedel weilende und im Jahre 1711 verstorbene Matthias Schultze, der 25 Jahre lang sein Amt treu verwaltete. So steht es auf seinem Grabstein, der an der Südseite St. Katharinenkirche angebracht ist, geschrieben. Es wird berichtet, dass es die Post seit 1683 in Salzwedel gibt.
Salzwedel hatte als Grenzort keine ordentliche Verbindung nach dem Hannöverschen. Zwar hielt die hiesige Kaufmannschaft in Lüchow einen Boten, der zweimal in der Woche die Briefe aus dem Lüneburgischen von Hamburg und Bremen usw. brachte, doch war dieses eine Privatangelegenheit der Kaufleute, an der der Staat nichts verdiente.
Die Privatbotenpost wurde im Jahre 1860 aufgehoben, welche nach alter Chronik seit „undenklichen Zeiten“ zwischen Hamburg und Leipzig bestanden hatte. Anlass zur Einführung der staatlichen Post in Salzwedel gab die Einrichtung einer kurfürstlichen Botenpost zwischen Berlin über Rathenow nach Salzwedel. Diese Angaben stammen aus alten Akten und Aufzeichnungen des Postamtes Salzwedel und der Oberpostdirektion Magdeburg.
Das Personal des Postamtes bestand außer dem Direktor 1806 aus dem Postschreiber, dem Briefträger und Wagenmeister, dem Postillon und den Postknechten; später werden dann noch zwei Posthalter erwähnt. Das Gehalt eines Postmeisters betrug 300 Reichstaler.
Das Postamt war sehr klein, es besaß auch kein eigenes Haus, deshalb wechselte das Lokal oft, weil es sich immer in der Wohnung des jeweiligen Postmeisters befand. Im Hundertjährigen Wochenblatt heißt es: „ … die Räumlichkeiten sind sehr eng. Die Passagierstube hat im Posthaus keinen Platz. Sie ist einige Häuser entfernt bei einem Kaufmann untergebracht, worüber die Reisenden unzufrieden sind.”
Verkehrsvorschriften von 1828 sagen uns folgendes:
- Ausweichen für den Posten beim Stoß ins Horn, sonst drohen 5 – 50 Reichstaler Strafe.
- Ausweichen nach der rechten Seite hin beim Begegnen.
- Ausweichen des vorderen Wagens nach links, dass der Nachfolgende zur rechten Seite vorbei kann.
- Fahrbahn nicht durch Anhalten oder andere Weise versperren.
- 5 Reichstaler Strafe für Beschädigungen an einem Chausseebaum.
- Unsichere oder ungekannte Übeltäter sollen zur Haft gebracht und an die zuständige Polizeibehörde abgeliefert werden.
Mit dem 1. Oktober 1845 wurde eine Landbriefträger–Anstalt eingerichtet, welche Briefe und Pakete bis 6 Pfund an Gewicht und Gelder bis zu 10 Taler nach sämtlichen im Umkreis von Salzwedel gelegenen Ortschaften hin und zurück wöchentlich zweimal beförderte.
Am 4.10 1851 erhielt Salzwedel zwei Postbriefkästen, einen in der Altstadt, der andere am Rathause der Neustadt. Seit 1871 wurden die Postpakete ausgefahren, und zwar zuerst mittels eines Handkarrens.
Am 1 Oktober 1887 wurde das jetzige Posthaus in der Breiten Straße bezogen. Die Reichspost hatte bis dahin keinen eigenen Besitz. Das Haus, bot den damaligen Verhältnissen entsprechend, reichlich Raum und doch musste nach Einrichtung des Fernsprechbetriebes sechs Jahre später das Postwartezimmer in den gegenüberliegenden Gasthof – dem heutigen „Gasthof zur Post“ verlegt werden.
Die letzte Postkutsche fuhr am 31.Oktober 1889 von Salzwedel über Rohrberg, Clötze nach Salzwedel zurück – zum Abschied schön bekränzt.
1903/04 wurde im Postgebäude das Dachgeschoss ausgebaut, um den Telegrafen- und Fernsprechbetrieb unterbringen zu können. Seitenflügel mussten angebaut werden, um Raum für den verstärkten Paketverkehr zu schaffen. Die Toreinfahrt wurde überbaut, um weitere dringend notwendige Diensträume zu gewinnen. Seit 1904 sind die Zusteller bestens ausgerüstet. Mit dem Drahtesel tragen sie Briefe und Postkarten aus.
Friedrich Meinecke – Aus eigenen Erinnerungen
Meine eigenen Jugenderinnerungen an Salzwedel widme ich meiner Vaterstadt als Ausdruck des Dankes für das, was sie mir für meine innere Instradierung in das Leben bedeutet hat, für meine Einstellung zum modernen wie zum geschichtlichen Leben überhaupt.
Salzwedel war in meiner Kindheit anfangs noch ohne Eisenbahn und nur auf die Postkutsche angewiesen. So klingt in meine ersten neun Lebensjahre (1862-1871), die ich hier verbrachte, das Posthorn immer fröhlich schmetternd hinein …
P.S.: Friedrich Meinecke, geboren am 30.10.1862 in Salzwedel, war Historiker, Schriftsteller und erster Rektor der Freien Universität Berlin. Er starb am 6.2.1954 in Berlin.
