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Geschichte der Stadt Salzwedel
0 Kommentare | Veröffentlicht von Jutta Jaeger in Geschichte Salzwedels
„An der Grenze zwischen Lüneburger Heide und Altmark liegt das Städtchen Salzwedel, das durch seinen Baumkuchen beinahe schon Weltberühmtheit erlangt hat. Aber der Baumkuchen tut es nicht allein – Salzwedel ist stolz auf seinen Ruf als „Ort frühester Besiedlung“ der Mark. Nach der Überlieferung hat die Besiedlung in der Niederung um 550 von Sachsen stattgefunden und soll um 780 unter Karl dem Großen eine Grenzburg gegen das Slawentum gewesen sein.
In der Geschichte taucht „Soltwedel“ gegen Ende des 11. Jahrhunderts (Markgraf Udo II. von Stade) als Sitz der Markgrafen auf. Später – 1263 bis 1518 – gehörte Salzwedel dem mächtigen Bund der Hanse an und war vor dem Kriege (1914 – 18) Ulanen-Garnison. Salzwedel ist außerordentlich reich an geschichtlichen Erinnerungen… .“
Salzwedel liegt unweit der Nord-West-Grenze der „Alten Mark“. Vermutlich befand sich bereits im 9. Jahrhundert an dieser Stelle eine Burg zur Sicherung einer Furt durch das Sumpf- und Niederungsgebiet der Jeetze. So erklärt sich der Name Salzfurt < Furt oder widele = schmaler enger Weg >.
Die im Mittelalter bedeutende Salzstraße Lüneburg – Magdeburg ermöglichte an dieser Stelle ein gefahrloses Überqueren dieses Feuchtgebietes. In west-östlicher Richtung kreuzte die Handelsstraße Braunschweig – Hamburg diese Furt. Eine sich im Schutze der Burg entwickelnde Kaufmannssiedlung findet im Jahre 1112 erstmalig ihre urkundliche Erwähnung. Diese Urkunde gilt als die älteste, die den Namen Salzwedel erwähnt, nicht aber als civitas Soltwedel.
Im 11. und 12. Jahrhundert ist Salzwedel Sitz der Markgrafen der Nordmark. Im Jahre 1134 erhält Adalbert von Ballenstedt (1100 – 1170), genannt Albrecht der Bär Graf von Ballenstedt und Aschersleben, das Lehen über die Nordmark durch Kaiser Lothar I.
Die Nordmark war Ausgangsgebiet für die ostelbische Kolonisation und Missionierung der slawischen Bewohner. Siedler aus dem Vorharz und holländische Einwanderer erhielten „Neuland“ in den eroberten Gebieten. Der Ursprung des Tuchmachergewerbes lässt sich vermutlich auf flämische Einwanderer zurückführen.
Erste Münzprägungen gab es in Salzwedel im 12. Jahrhundert. Um 1180 / 85 ist die Stadt als Prägeort urkundlich belegt. Es handelt sich hier um eine der ältesten Münzprägestätten in Deutschland. 1314 erwirbt die Alte Stadt das Münzrecht.
Im 13. Jahrhundert werden die ersten Backsteinkirchen erbaut. Im Inneren der St. Marienkirche ist der romanische Bauabschnitt heute noch erkennbar. Die Lorenzkirche zeigt als erste norddeutsche Backsteinkirche den Übergang von der Romanik zur Gotik.
Der Gewandschneidergilde wird durch die regierenden Markgrafenbrüder Johann I. und Otto III. das Recht des „alleinigen Tuchhandels“ zugesprochen. In der ausgefertigten Urkunde von 1233 ist Salzwedel erstmalig als „civitas“ genannt. Sie wird als Gründungsdokument angesehen.
1247 wird die Neue Stadt Salzwedel gegründet. Die Anlage der Neuen Stadt erfolgte vor den Mauern der Alten Stadt. Erst 1365 wurde entschieden, dass die Stadtmauern beider Städte verbunden werden und die Jeetze überbrückt wird. Die Neustadt war die einzige altmärkische Stadt, die nicht aus Ansiedlungen um eine Burganlage entstanden war.
1263 tritt Salzwedel der Hanse bei. Salzwedeler Kaufleute werden in Visby (Schweden) handelsberechtigt – die enge Bindung an den Handel von Lübeck verschaffte der Stadt Sitz und Stimme auf Gotland (Schweden). Diese bis ins 16. Jahrhundert währende Zeit war die bedeutendste der Doppelstadt und währte bis 1518. Die Jeetze wurde seit dem 13. Jahrhundert als Schifffahrtsweg in Richtung Hamburg und Lübeck genutzt und für weitere 600 Jahre als solcher betrieben. Das Kaufhaus der Hanse an der „Hohen Brücke“ besaß den einzigen Binnenhafen – er war der zweitgrößte Warenumschlagplatz der Altmark. Die Handelsverbindungen reichten über Hamburg und Lübeck nach Brügge (Belgien), London, Bergen (Norwegen) und Welikij Nowgorod (Russland) zu den vier Handelskontoren – so galt Salzwedel als Großhandelsstadt in der Blütezeit der Hanse (13./14. Jh.).
Ältester und bedeutendster Kram- und Viehmarkt in Salzwedel, nach dem Hl. Dionysius benannt, wird zum ersten Mal zum 9.Oktober 1351 urkundlich erwähnt. Er fand an acht Tagen statt. Der Name des Marktes war „festum omnium bovum“, was ins deutsche übersetzt (doppelsinnig?) heißt: Festtag aller Ochsen.
Im 14. Jahrhundert entstand eine Stadtmaueranlage von 3 km. Sie bestand aus einem Mauerring mit eingebauten Weichhäusern, Stadttoren, Wassergräben, Teichauffüllungen und Wallaufschüttungen. 1860 m sind von der Stadtbefestigung heute noch erhalten. Von ehemals 10 Stadttoren gibt es noch 2 Tore in der Innenstadt. Das letztgebaute Tor ist das Steintor mit spätgotischen Spielformen von 1530.
1488 – Die aufständischen Salzwedeler erleiden eine Niederlage im sogenannten Bierkrieg. In der Folge verliert die Doppelstadt, wie alle altmärkischen Städte, viele alte Privilegien und Rechte, zum Beispiel mit der Aufhebung des Münzrechts. Zudem beschleunigte der Austritt aus der Hanse den wirtschaftlichen Niedergang.
Letzter großer Bau des bürgerlichen Stolzes wurde der 1585 beendete Neustädter Rathausbau, dessen Turm bis heute erhalten geblieben ist.
Beträchtlich waren die kirchlichen Besitzungen in beiden Städten: die Propstei, 5 große Kirchen, 1 kleinere Kirche, einige Kapellen und 3 Klöster. 1541 setzt sich die lutherische Reformation in beiden Städten durch. Dies bedeutete die Abtrennung vom Bistum Verden (Aller).
Der sich bereits im 16. Jahrhundert andeutende Niedergang der Wirtschaft beschleunigte sich durch die allgemeine Umstrukturierung derselben. Ihr Schwerpunkt lag jetzt auf der gewerblichen Produktion. Schwedische und kaiserliche Besatzung in der Zeit des 30jährigen Krieges dezimierten die Einwohnerzahl und den Wohlstand. Die Bevölkerungszahl sank von ursprünglich 9000 auf 4100 im Jahre 1648.
Im 17. Jahrhundert wird Salzwedel Garnisonsstadt. Das Schuhmacherhandwerk (Gerberei) und Textilgewerbe (Woll- und Leinweber) erreichte im 18. und 19. Jahrhundert seinen höchsten Stand in Salzwedel. Die Belieferung der preußischen Armee brachte gerade diesen Gewerben sicheren Gewinn. Nicht mehr nur der Handel bestimmte die Wirtschaft, sondern auch das Brau- und Nahrungsmittelgewerbe war von großer Bedeutung.
1705 Der letzte große Stadtbrand, der fast die gesamte Altstadt zerstörte.
Der innerstädtische Streit und Konkurrenzneid der Doppelstadt wurde durch den Befehl König Friedrich Wilhelm I. beendet. Am 13.12.1713 verfügt er die Vereinigung beider Städte zur Stadt Salzwedel.
Nach dem Friedensvertrag von Tilsit 1807 zwischen Frankreich und Preußen wurde der Kreis Salzwedel aus dem brandenburgisch-preußischen Territorialstaat ausgegliedert. In dem neugebildeten Königreich Westfalen, war Ludwig von Westphalen der Unterpräfekt dieses Distriktes. Am 12.4.1814 wurde seine Tochter Jenny, die spätere Ehefrau des deutschen Philosophen Karl Marx, in Salzwedel geboren.
1816 Salzwedel wird Kreisstadt – die Industrialisierung beginnt.
1873 Die Eisenbahn verkehrt auf der Strecke Berlin – Salzwedel – Uelzen – Bremerhaven. Später wird man diese Bahnverbindung „Amerikalinie“ nennen und so heißt sie auch heute wieder.
1895 das Rathaus von 1618 in der Neustadt wird durch einen Großbrand zerstört.
Nach 1918 kam es zur Erweiterung des Stadtgebietes. Neue Wohnsiedlungen entstanden, wie zum Beispiel die Mieterspargesellschaft – MISPAG – ein Wohngebiet im Stile des Bauhauses.
1935 – 40 In dieser Zeit entstehen Flughafen und Kasernen – damit entstehen die Stadtrandsiedlungen, wie Sieben Eichen, Am roten Turm usw. – sie beeinträchtigen das historische Stadtbild nicht.
1945 Westalliierte Bombenflugzeuge zerstören den Hauptbahnhof; mehr als 300 Tote sind zu beklagen.
1949 Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik wird Salzwedel Innerdeutsche Grenzstadt.
9. November 1989 Mit der Grenzöffnung ist auch für die Grenzstadt die 40 Jahre währende Spaltung Deutschlands überwunden.
1993 bewirbt sich Salzwedel auf dem 13. Internationalen Hansetag in Münster um die Ausrichtung des 28. Internationalen Hansetages und erhält den Zuschlag.
1. April 2008 Die Stadt darf sich offiziell wieder Hansestadt Salzwedel nennen. Neben den sieben Hansestädten Hamburg, Bremen, Lübeck, Rostock, Wismar, Stralsund und Greifswald, die das „H“ im Autokennzeichen tragen, sind die Städte Demmin, Lüneburg, Salzwedel und Stade wieder berechtigt diesen Beinamen zu führen und weitere werden sicher noch folgen!
2008 Die Hansestadt Salzwedel ist Ausrichter des 28. Internationalen Hansetages der Neuzeit.

