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Wie entstanden die deutschen Städte?
0 Kommentare | Veröffentlicht von Jutta Jaeger in Wie entstanden die deutschen Städte?

Das Kerngebiet Deutschlands ist der Raum zwischen dem Rhein im Westen sowie Elbe und Saale im Osten, zwischen der Nordsee und den Alpen. Hier wohnten die germanischen Völkerschaften, aus denen im Verlauf von vielen hundert Jahren das deutsche Volk zusammen wuchs.
Die erste Voraussetzung, dass sich die deutschen Stämme zu einem Volk entwickeln konnten, war die Schaffung eines Lebensraumes zu einem geschlossenen Wohngebiet. Wälder und Ödland mussten gerodet, Sümpfe trocken gelegt und Flüsse eingedeicht werden, ehe das Land zu der fruchtbaren Kulturlandschaft wurde, wie wir sie heute kennen. Diese Arbeiten dauerten vom 6. bis 13. Jahrhundert.
Es entstanden in den gerodeten Gebieten die ersten Ansiedlungen – die Dörfer.
Es waren Gassen- oder Straßendörfer, bei denen die Gehöfte beiderseits an einer schmalen Straße lagen, oder die Straßenangerdörfer, bei denen die Straßen um einen Dorfanger mit Kirche und Teich herumlaufen. Es bildeten sich Platzdörfer, die um einen dreieckigen, runden oder andersförmigen Platz angelegt wurden. Ortsnamen geben uns heute Auskunft über die Entstehung eines Ortes, wie zum Beispiel „soltwidele” – eine Ansiedlung an einer Furt.
Im frühen Mittelalter bildeten sich die Voraussetzungen zum Entstehen der Städte. Drei Bedingungen waren hierfür notwendig, die sich nebeneinander und miteinander herausbildeten: höhere landwirtschaftliche Erträge, Handel und Handwerk.
Bauern rodeten Wälder um größere Ackerflächen zu gewinnen – auch durch die Dreifelderwirtschaft stieg das landwirtschaftliche Mehrprodukt an.
Es wurden also mehr Nahrungsmittel produziert, als der Bauer mit seiner Familie brauchte. Er hatte aber auch Abgaben in Form von Naturalien an den Feudalherren und die Kirche zu leisten. Erst was dann an produzierter Ware übrig blieb, konnte der Bauer gegen andere Waren austauschen. So war der Bauer Käufer und Lieferant zugleich.
Durch den Handel entstanden bestimmte Plätze, auf denen die Menschen Markt hielten, rasteten, ihre Waren sicher lagern konnten und neue Waren wieder mitnahmen.
Aber diese Orte waren noch keine Städte, sonder nur gering bewohnt. Oft war es der Sitz des Bischofs, eine Königspfalz, eine wichtige Furt oder eine Stelle, an der sich mehrere Handelswege kreuzten. Hier fanden die Händler Abnehmer für ihre Waren.
Auch zu den Furten und Straßenkreuzungen entstandenen Raststellen, wo die Händler und Kaufleute sich regelmäßig trafen, strömte die Bevölkerung.
Die Händler fuhren gern an Orte, an denen sich besonders handwerklich geschickte Menschen befanden, die nur noch nebenbei Ackerbau betrieben. Es bildeten sich Handwerkersiedlungen, wie zum Beispiel in Köln neben dem Bischofsitz.
In der ersten Hälfte des Mittelalters entwickelte sich so allmählich die gesellschaftliche Arbeitsteilung. Es gab nun:
- Bauern = Ackerbauer und Viehzüchter
- Handwerker, z. B. Schmied, Steinmetz, Tuchmacher u. a.
- Händler und Kaufleute
Handwerkersiedlung und Marktniederlassung zusammen bildeten die mittelalterliche Stadt.
Um den Markt wuchs die Kaufmannssiedlung, – um den Sitz des Burgherrn die Handwerkersiedlung.
Die frühen Städte im Mittelalter bestanden aus drei Schichten von Einwohnern:
- Feudalherren, die als Stadtherren den Schutz und die Verwaltung übernahmen
- Freie Kaufleute, in deren Händen der Handel lag
- Produzenten – unfreie Handwerker, die teils für den Stadtherrn und teils für den Markt arbeiteten
Diese frühen Städte bestanden aus Holz– und Fachwerkhäusern. Die Straßen waren ungepflastert. In den Fensteröffnungen befanden sich gespannte Häute oder Leinwand.
In Deutschland wurden ab dem 12. Jahrhundert die Städte durch Wälle und Gräben und einen Palisadenzaun geschützt.

Mit den Städten bildete sich eine neue Klasse neben Adel und Bauern, es entstand das Bürgertum. Die Stadtbürger erkämpften sich Rechte gegen die Vorherrschaft des Adels.
Im Straßburger Stadtrecht aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts kann man bereits erkennen, wie eine solche Stadtverwaltung funktionierte. Aus dieser Zeit stammen auch die Gesetze, die die Freiheit und den Besitz des Kaufmannes oder Handwerkers anerkannten. Diese waren die Grundlage für die Entwicklung des bürgerlichen Eigentums.
Die von spezialisierten Handwerkern hergestellten Produkte waren oft besser als die selbstgefertigten Produkte der Bauern. Warenproduktion und Handel berührten immer stärker das gesamte Leben und drangen auch in die Landwirtschaft ein. Getreide und Vieh wurden für den Bedarf der Stadtbewohner auf den Märkten verkauft. Die Bauern ihrerseits kauften handwerkliche Produkte in der Stadt.
Durch die gesamte wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in Deutschland kam es zu Neugründungen von Städten. Während es bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts etwa fünfzig Städte gab, waren es im 13. Jahrhundert um die fünfhundert. Diese neuen Städte, wie zum Beispiel die Neue Stadt Salzwedel, erhielten schon bei ihrer Gründung als Stadtrecht die Freiheiten, die sich die gewachsenen Städte (Alte Stadt Salzwedel) mühsam hatten erkämpfen müssen.
Abbildung entnommen aus: Erik Hühns “Bauer, Bürger, Edelmann. Leben im Mittelalter”, Verlag Neues Leben, 1963
