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Ein Salzwedeler Bürgermeister von Visby

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War ein Salzwedeler Schustergeselle vor über 400 Jahren Bürgermeister in Visby?

Gotland ist eine Insel in der Ostsee, die zu Schweden gehört. Die wichtigste Stadt dieser Insel ist Visby. Ihre größte Bedeutung erreichte die Stadt im 13. Jahrhundert, als die Hanse in höchster Blüte stand.

1263 wurden Salzwedeler Kaufleute in die Kaufmannsgilde der Stadt Visby als vollberechtigte Glieder aufgenommen. Außerdem erhielten sie Sitz und Stimme im Rat der freien Hansestadt Lübeck und erlangten dadurch ansehnliche Zollvergünstigungen auf die verschiedensten Handelswaren.

Auf der Jeetze beförderten die Kaufleute in kleinen Kähnen, die etwa 50 bis 100 Doppelzentner tragen konnten, die Lasten bis Hitzacker, von wo aus sie die Elbe abwärts bis nach Hamburg gelangten. An die Hansezeit erinnert heute noch die Straße „Am Hafen“. Auf dem Grundstück „Hohe Brücke Nr. 8“ sind heute noch ein runder Turm und weitere jahrhunderte alte Gebäude, die als Umschlag- und Stapelplätze während der Hansezeit benutzt wurden erhalten. Diese alten Gebäude haben also bereits den 30 jährigen Krieg überdauert.

Im Stadtarchiv Salzwedel findet man eine Eintragung aus Wisby und Gothland von Otto Rüdiger. Wiedergegeben wird diese Eintragung wörtlich, aber in gekürzter Form:

„ Es war einmal – es mögen wohl so ein vierthalbhundert Jahr her sein – ein ehrsamer deutscher Schuhknecht, mit Namen Hans Turitz, der auf sein Handwerk in die Fremde ging.
Er war geboren in der sächsischen Stadt Salzwedel.
In seinem Gewerke war er wohl erfahren, und außerdem ein flinker, lebensfrischer , wissbegieriger junger Mann. Er hatte die größten Städte von Nord- und Süddeutschland besucht und durch Fleiß und Sparsamkeit einen guten Reisepfennig gesammelt.

Er durchwanderte die Schweiz, ging über die Alpen und gelangte nach dem schönen sonnigen Italien.
So geschah es an einem lauen Sommerabend, dass er bei einem Becher Wein im Garten einer Schänke, zwei Mönche bei einem sehr wichtigen, geheimnisvollen Gespräche belauschte. Während er in gleichgültiger Haltung an seinem Becher nippte, verschlang er zugleich jedes Wort das er hörte:
„Bei St. Clemens Anker! Du glaubst also wirklich, Bruder Gregorius, daß wir bald wieder nach Wisby zurückkehren dürfen, wo wir so viele herrliche Schätze zurücklassen mussten, als das lutherische Gesindel – möge es der heilige Michael zerschmettern – uns so plötzlich davon jagte ?“
„Ja bei allen Heiligen!“ antwortete der andere Priester während er freundlich dem Wirt zunickte, der von selber, wie aus alter Gewohnheit, zwei mit Wein gefüllte Becker hinstellte. Sie schwelgen also in Erinnerung an die wohlhabende, gottesfürchtige und freigiebige Stadt WISBY.
Dann schildern sie auf das Deutlichste, wie sie mit St. Clemens Hülfe ihre sorgsam verborgenen Schätze wieder hervorholen werden: „und zu allererst werden wir in meiner schönen St. Clemens Kirche, wo ich, wie du weißt, fünf Jahre lang Pfarrherr war;
DIE GOLDENENE GANS und ihre 24 JUNGEN; alles aus reinem und gediegenem Golde, aus ihrem dunklen Kerker in der Kirchenmauer befreien“ fuhr Ambrosius fort.
Er nannte auch die Entfernung vom Fußboden der Kirche und von der Ecke der Wand, und wie tief in der Mauer der Schatz verwahrt war.
Sie beschrieben noch mehrere Aufbewahrungsstellen mit großen Mengen Gold und  Silbers wie man Ähnliches im ganzen Leben noch nicht gesehen hatte.

So war der junge Deutsche zum Mitwisser eines Geheimnisses der wunderbarsten Art geworden. Als Lutheraner glaubte er kein Bedenken hegen zu dürfen, sich ein Geheimnis zu Nutze zu machen, in das er ohne seine Schuld eingeweiht worden war. Hans Turitz kam glücklich nach Wisby, und das Erste was er tat, war St. Clemens besuchen

Sein Auge traf auch bald auf das Versteck und zog die goldenen Stücke hervor, von denen die Priester erzählt hatten. Mit diesem Schatz reiste er nach Danzig, machte ihn dort zu Gelde und kaufte sich dafür ein Lager von Waren, mit denen er zurückkehrte. Er beschäftigte sich fortan mit Schere und feinen Schnittwaren und kostbaren Gewürzen und später mit Reederei und Spedition.

Er verheiratete sich mit der Tochter eines vermögenden Zinngießers. Das Glück stand ihm bei, und binnen einigen Jahren war er einer der Reichsten der ganzen Stadt. Dem Reichtum folgte, wie gewöhnlich, äußeres Ansehen und Ehre; er wurde später Kirchvorsteher von St. Maria, Rathmann und zuletzt BÜRGERMEISTER.

Die Sage, worauf diese kleine Geschichte beruht – wenn sie auch seltsam ist, ganz unglaubhaft ist sie sicherlich nicht in ihren Grundzügen, wenn man bedenkt, welch Kostbarkeiten auf Gothland bisher gefunden wurden und noch immer gefunden werden.

Gewiss ist indessen, dass im Jahre 1586 vorkam, dass unter den Kirchvorstehern von St. Maria ein – Hans Turitz -, geboren in Salzwedel und später Bürgermeister von Wisby, in besagter Kirche genannt wird.“

Anmerkung: Bei unserer Gotlandreise im August 2007 besuchten wir natürlich die Kirchenruine St. Clemens und auch die St. Marienkirche. In letzter fanden wir auch die Grabplatte, auf der Hans Turitz genannt wird.